Buchkritik: Thomas Sattelberger – Vielfalt statt Einfalt

Kürzlich bekam ich von Florian Mildenberger ein Büchlein zugeschickt. Er meinte: „Lies es mal.“ Ich ahnte nichts böses.
 
Es war von Thomas Sattelberger, ehemaligem Vorstand bei einem DAX Unternehmen und sehr sehr LSBTTIQ-Community bewegt. So bewegt wie er war ich nie. Grund also mal, dieses Büchlein zu rezensieren.
 

Für Offenheit und Pluralismus streiten – als geführte Community-Armee?

 
von Dr. Christoph v. Gamm
 
Thomas Sattelberger und das Buch
 
Ich habe Herrn Sattelbergers Büchlein, gequälte 46 Seiten, gelesen. „Vielfalt statt Einfalt“ im Wallstein-Verlag in den „Hirschfeld-Lectures“ – und ich war wirklich enttäuscht: Purer einfältiger Etatismus hat mich bei diesem Buch angegrient.
 
So schön die Idee ist, etwas für eine LSBTTIQ-Community zu tun, so schwach sind seine Ideen. Sie strotzen vor Etatismus und dem Gedanken, daß gefälligst der Staat in alle Unternehmen – vor allem im Mittelstand – einzugreifen habe. Ich sehe das anders: Jeder einzelne Unternehmer hat für sein Unternehmen die Verantwortung. Wenn es läuft, dann läuft es. Und wenn er beratungsresistent ist, gibt es andere, die es besser machen können. Doch das was Sattelberger draufsatteln will ist effektiv Tugendwächtertum vom Schlechtesten.
 
Davon abgesehen: Aufgrund meiner persönlichen, langjährigen Feldforschungen im LGBT Umfeld – inklusive der Gründung einer europaweiten Taskforce und Suche und Schaffung eines GLBT Business Development Executive-Postens – kann ich nur sagen: There is no such thing like LSBTTIQ-Community. Sattelberger möchte gerne, daß die „Community“ vereint stramm für das gemeinsame Ziel marschiert. Never ever. Seine Zeit bei der APO umschwärmt er: „Fünf Finger kann man brechen, eine Faust nicht!“ Wie niedlich.
 
Die Schwulenszene als Beispiel ist in vielen Städten gerade durch die „Gleichschaltungsstellen“ effektiv abgestumpft, gerade die jüngeren blieben aus. Die vielen anderen Buchstaben sind weitestgehend Erfindungen von sozialistischen Funktionären, um Umverteilung durchzuführen und um aus selbsttätig agierenden Menschen Objekte der Redistribution zu machen, dies alles unter dem Deckmäntelchen der sozialen Sorgsamkeit. Nein, darum geht es nicht, es geht um Geld, es geht um Pöstchen für wenig oder so gut wie keinen Aufwand, am besten fürs Nichtstun. Und dafür braucht es neue Gruppen, neue Opfer, neue Diversion, die man dann als Diversität verkauft. Ganz nach dem Hegelschen Prinzip: Problem, Reaktion, Lösung. Man generiert ein Problem, eine verfolgte Minderheit, die es eigentlich nicht (mehr) gibt, man würzt das ganze dann auch noch mit entsprechend Reaktion, gerne durch gefühlte Repression und schaut dann, daß man die Lösung: Noch mehr Staat, noch mehr Diversity-Beauftragte, noch mehr „soziale Gerechtigkeit“ schafft. Kommunistischer Doublespeak. 
 
Sattelberger hat durchaus ein paar gute Aspekte, Diversität fördert sich jedoch nicht durch Zwang wie er es scheint zu meinen, sondern aus einer Eigendynamik heraus. Siehe zum Beispiel: The Rise of The Creative Class von Richard Florida. Man kann Anreize setzen, und den Samen säen. Und der Samen gedeiht oft auf ganz seltsamen Böden, man kann es oft nicht voraussagen. Sonst wäre ja Diversität auch soo einfach zu generieren oder auch zu töten. Sattelberger hat das scheinbar nicht gelesen, geschweige denn daß er diesen Gedanken überhaupt kennt. Mit seinen Gedanken hingegen dreht er sich im Kreis von Programmen, APO und kommunistischer Dialektik und macht dabei „brumm brumm brumm“ bis ihm das Gas ausgeht. Zu erwarten, aber eben doch schade… 
 
 

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